Das Internet der Dinge

Der Ofen recherchiert und kocht von ganz alleine
zur Freude jeder Hausfrau wie ein junger Gott.
Das Auto fährt sich algorithmisch selbst zu Schrott.
Die Heizung fühlt und weiß Bescheid: Mir friern die Beine.

Die Waschmaschine quasselt munter mit den Socken.
Der Kühlschrank macht ein cooles Selfie und bestellt.
Die Bohrmaschine funkt per Kabel in die Welt.
Der Stromrasierer kann summbrummend drahtlos rocken.

Beziehungsreich ist heuer unser Digital-Gedöns
und mannigfaltig stramm vernetzt sind Welt und Haus.
Der Mixer knipst mit einer Nachricht Twitter aus,
das AKW schmilzt dank der Spam-Mail eines Föns.

Per WhatsApp schwärzt der Toaster die Ergebnisse von Google.
Ganz Netflix steht dank Tante Trudis Trockenhaube still
und sendet nicht – weil Trockenhaubes starker Arm es will.
Bei YouTube gibt man sich vorauseilend die Kugel.

Doch sieh: Es ist auch immer Licht, wo so viel Schatten!
Nicht länger wird der Mensch vom World Wide Web gebraucht.
Er wird vom Fortschritt in der E-Pipe weggeraucht
und also reduziert auf Klicken und Begatten.

Die Wahrheit schneidet kalt mit scharfer Klinge:
Das Internet ist nicht mehr länger deins!
Auch ist es nicht – und war es niemals – meins.
Es ist ab jetzt das Internet der Dinge.

November

Dies ist das mieseste von allen miesen Wettern
Es legt den Finger in die Sommerende-Wunde
Eiskalte Katzen regnet es zuhauf und Hunde
Die Bäume schmeissen schon mit nassen Blättern

Kaum sag ichs, scheint schon wieder Sonne in die Runde
Die goldensten Novembernachmittage schmettern
Sie sind die liebsten mir von allen Herbstschmerz-Rettern
Bereiten mir die feinste Sonntagskaffeestunde

Ich will mich also nicht bei niemandem beschweren
So kann es bleiben, wechselnd nass, beständig schön
Herbsttäler will ich lobend wie ein Rohrspatz queren

Solange Wandel wandelt, grau und farbig fotogen
Nichts nicht und niemand nie will ich entbehren
Mein Lieblingsmonat ist eindeutig schizophren

Im Herbst

Jetzt ist es Zeit. Das Jahr wechselt die Schuhe.
Ein Übergang voll Peng und Farbenknall.
Der Herbst ist keine Jahreszeit für Sündenfall,
für Grau-in-Grau nicht, nicht für Rumgemuhe.

Der Herbst taugt auch für Muße nicht und Ruhe.
Viel eher gilt wie stets und überall:
Wer jetzt kein Haus hat, geht halt in den Stall.
Veränderung liegt an und Indian-Summer-Rumgetue.

Denn wie das Grün im Wald und auf der Heide
sich bunt verfärbt, als sei die Welt ein Clown,
so wirft manch Rindvieh sich in Farb-Geschmeide.

Allherbstlich kann man dieses Wunder schaun:
Ganz sanft verfärben sich jetzt Stall und Weide
von Holstein-Schwarzbunt Richtung Obersalzberg-Braun.
 
 
(Ein Teaser aus dem Cartoonband „Kuhgeflüster“.
Gibt’s im lokalen Buchhandel und hier)

Schöne Werbung – gute Werbung!

Gestern in der Provinz:
Im Kuhstall kam ein Buch zur Welt, wurde präsentiert und signiert – und für gut befunden!

mdk_kuhgefluester_signatur

Der großartige Rüdiger Tillmann hat ca. 100 Cartoons getuscht – ich habe etwa 20 Gedichte hinzugefügt, die nicht groß stören – der Sauerländer WOLL-Verlag ließ alles zwischen Pappendeckel drucken – und nun ist es da: „Kuhgeflüster – Geschichten und Gedichte aus dem Sauerland“

Man sollte es kaufen, solange es noch kuhwarm ist! Im lokalen Buchhandel, oder direkt hier:

kuhgefluester_das-buch

Buchfoto: WOLL-Verlag

Zum aktuellen Stand der Sprachkritik

Es reicht’s nicht länger, „homogen“
und „übereinstimmend“ zu sein.
Es kann nicht „deckungsgleich“ allein
und „synonym“ so weitergehn.

Auch „einförmig“ ist uns zu schwach.
„Ununterscheidbar“ reicht nicht aus.
bei „einheitlich“ nimmt man Reißaus,
„unterschiedslos“ ist Weh und Ach.

Es müssen neue Worte her.
Die Sprache wird jetzt umgevolkt.
Wir haben uns flink, zäh, hart, schwer

und sinnhaft maximal umwolkt,
das Wort zum endlich-wieder-wer
aus Erbfeinds Achsel rausgepolkt:

identitär.

Im Café Herbst

Herren sprechen still in Apparate

Opernhäuser neigen zum Ermüden
Vögel sammeln sich bereits nach Süden
Damen lächeln still eine Fermate

Hundeleinen sichern schlaffe Rüden
Zuckerstreuer planen Attentate
Tauben tanzen eine Bachkantate
Fremde nuscheln lautstark Platitüden


Sonnenreste stürzen auf die Plätze
Stühle sind im Stapel halb verräumt
Ungeboben bleiben nun die Schätze

Säumnisstunden bleiben jetzt versäumt
Wunder gibts nur noch als Kaffeesätze
Ach, hätte ich doch alles nur geträumt

*
(Diese Zeilen verdanken einem Anlass
und einem Bilde sich.)