01 – Nennt mich Banal

Ich weiß: Das klingt jetzt gleich wie so ’ne absolute Standardsituation. Kennt jeder, tausendmal gehört, blablabla. Aber was soll ich tun – so hat’s eben angefangen. Klar, schon Mist wenn’s so langweilig losgeht, aber sind nicht alle Anfänge irgendwie Standard? Immer muss irgend ein Scheiß herhalten, damit’s losgehn kann, total egal, was … ob da erstmal irgendein Ilsebill nachsalzt, oder wir zu Beginn erfahren, dass alle glücklichen Familien einander ähnlich sind, oder irgend ein vollkommen unbekannter Typ im ersten Satz aber schon mal gleich Ismael genannt werden will … Also, nennt mich meinetwegen Banal oder was – aber so fing’s halt an: Ich komme in die Kneipe so wie immer, ist schon was später, es ist warm und der ganze Tag war ruhig und wartete irgendwie nur so auf den Abend. Ich komm alleine, wie oft damals, kein Problem, irgendjemand werde ich schon treffen. Ich steh ein wenig rum, trinke ein zwei Bier und niemand spricht mich an, ein paar Hallos im Vorbeigehen, wie geht’s, und selbst, und dann registriere ich dich draußen auf der Treppe. Deinen Rücken seh ich, deine Korkenzieherhaare, und dein Anblick ist irgendwie ungewohnt, neu, hab dich noch nie gesehen, aber das ist nicht das, was mich aufmerksam werden lässt. Sondern: Ich kann durch die offene Tür zuhören, wie du deinen Freunden irgendwas erzählst, egal, aber du klingst tief und lebendig und leicht kratzig, irgendwie der Hammer. Du erzählst völlig blöd rumlachend von den Studenten, mit denen du dich ein ganzes Wochenende rumgetrieben hast und deine Pointe ist: einer der angehenden Philosophen hat ein Schaf nachgemacht, sagst du, und dann machst du nach wie der das nachgemacht hat. Und als wär das nicht schon affig genug, so ne blöde Pointe – du erzählst das, als passiere es grade in diesem Moment noch einmal und vielleicht tut es das für dich auch und du bist amüsiert und in Flammen und hast dein Herz verloren, und das lässt du deine Leute wissen. Das ist nun wirklich ’ne banale Geschichte denk’ ich und in dem Moment orderst du ein neues Bier und drehst dich um und ich kann erkennen, wie schön du bist und wie hell deine Augen leuchten. Meine Fresse!

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