Herbst, auf ein Wort

Die Zeit verrinnt. Schon naht uns der Oktober.
Und du, der du den Sommer jetzt beerbst
– Ja, genau du, Schwachmaten-König Herbst! –
machst uns das Leben sinnlos und zinnober.

So würdelos, wie du die Welt verfärbst,
den braunen Kehricht reinträgst wie ein Ober –
dein ganzes Indian-Summer-Rumgekober
ist echt zum Kotzen, Alter! Ekelhaft und derbst.

Kein Wunder, dass du keine Freunde hast.
Wie Peter Altmaier bleibst du alleine
und niemand spielt mit dir. Herbst, aufgepasst:

Nimm schleunigst deine modrig-feuchten Beine
von meinem Küchentisch. Du bist kein Gast!
Vergiss das nicht. Verpiss dich und zieh Leine.

Abend, Dämmerung

Und wer seid ihr?

Zwei Krähen sind wir, wunderschön,
könn’ ungeküsst nach Hause gehn.
Das sind wir!

Ach so!
Ich dacht’, ich wäret Direktoren,
die sich am Abend selbstverloren
noch zwei, drei Kotletts blutig schmoren,
um dann wie kreischende Traktoren
den Schimmeln alle beide Sporen
hart in die Flanken reinzubohren
und rasch sogleich wie neugeboren
hoch in den Lüften zu rumoren.
– Das, dachte ich, seid Ihr.

Nein, tut uns leid, das sind wir nicht.
Schau: Wir sind ungeküsste Krähen.
Das kann man doch im Dämmerlicht
auch eigentlich gut sehen.

Ach so. Alles klar.
Nichts für ungut.

Im Sommer

Die Glut liegt waschbetonschwer auf Rabatten
Und Hitze greift das Jahr ganz ohne Bitten
Die Weiden schwitzen satt wie pralle Quitten
der Weltgeist droht in Wärme zu ermatten

Wer kann, lässt sich in kühler Gruft bestatten
Denn Geistes Schlaffheit lässt sich nicht lang bitten
Auf heißem Hengst kommt Schwüle angeritten
Hell ist das Licht und dunkel sind die Schatten

Darin, in Gruppen unter schweren Bäumen
Verweilen schläfrig matt, wie große Ziegen,
Zwölf Kühe, die von kalter Frische träumen

Sie tun, was man bei Hitze tun soll: liegen
Und könnten fast den Sommer so versäumen
Wär da nicht das Gebrumm von zwölfmal tausendutzend Fliegen


Vorankündigung:
Im Oktober wird im WOLL-Verlag ein Buch mit Cartoons von Rüdiger Tillmann erscheinen. Es trägt den prachtvollen Titel Kuhgeflüster. Ich steuere ein paar Gedichte bei – so zum Beispiel dieses Sommer-Gedicht. Watch out – there is more to come!

Der Sommer. Ein Loch.

Sommer ist von innen hohl
Wetter wettert kapriol
Mittendrin und brumm & dumm
steht das Sommerloch herum

Spannung ist wie weggefegt
Wichtiges ist abgelegt
Journalistenblütezeit
Handtuchthemen weit und breit

Müde scheint ein jeder Held
Schlaftablettenhaft die Welt
Selbst in Südamerika
langweilt sich Olympia

Dumme Jugend sowieso
schlapptrabt Pokémon-to-go
Trägheit zieht die Stiefel an
Merkel wandert mit dem Mann

Langeweile, Ach und Weh
schafft wie stets die SPD
Kanzlerhaft erleidet sie
Kandidaten-Allergie

Leer und trostlos noch und noch
Flügellahmes Sommerloch
Träg und monoton und viel
Fehlt bloß noch ein Krokodil

Die neuen Sommerhelden sind da!

Die Rocker wechseln kreidebleich die Seite,
die Drogendealer fliehen aus der Stadt.
Selbst Kirmesboxer suchen nachts das Weite,
wenn wer die Helden hergerufen hat.

Der Mafiaclan lässt alles stehn und liegen.
Das Pflaster wird für Hooligans zu heiß.
Für Nazis gibt es nichts mehr endzusiegen,
geraten sie in ihren Wirkungskreis.

Wo selbst Bruce Willis kneift und leise weint,
weil ihn die Schurken dieser Welt verhöhnen;
wo auch ein Gott sich gänzlich hilflos meint,
da retten uns die Starken und die Schönen:

Denn wem ist keine Kampfkunst fremd?
Dem Leptosom im Freizeithemd.

Wer steht als Fels in der Randale?
Der Studienrat in der Sandale.

Wer kann den Schurken Schmerz entlocken?
Der Pensionär in Tennissocken.

Wer ist ein Held, wenn Schlachten tosen?
Der Schlacks in Siebenachtelhosen.

Das Böse hat nicht mehr zu melden
wenn sie erscheinen: Sommerhelden!

PS:
Und Jungfraun vor dem Drachen retten
kann nur der Herr in Adiletten.