Herbst, auf ein Wort

Die Zeit verrinnt. Schon naht uns der Oktober.
Und du, der du den Sommer jetzt beerbst
– Ja, genau du, Schwachmaten-König Herbst! –
machst uns das Leben sinnlos und zinnober.

So würdelos, wie du die Welt verfärbst,
den braunen Kehricht reinträgst wie ein Ober –
dein ganzes Indian-Summer-Rumgekober
ist echt zum Kotzen, Alter! Ekelhaft und derbst.

Kein Wunder, dass du keine Freunde hast.
Wie Peter Altmaier bleibst du alleine
und niemand spielt mit dir. Herbst, aufgepasst:

Nimm schleunigst deine modrig-feuchten Beine
von meinem Küchentisch. Du bist kein Gast!
Vergiss das nicht. Verpiss dich und zieh Leine.

Kurzmitteilung

Eines ist wohl sicher und ganz klar:
Nichts wird wieder so wie’s gestern war.
Gestern war es hell und scharf und licht.
So wie gestern wird es morgen nicht.

Morgen wird vielleicht so manches scharf.
Alles jedenfalls, was scharf sein darf.
Vieles wird auch licht, eventuell.
Aber es wird lange nicht so hell.

Ganz egal, was man euch auch verspricht:
So wie gestern wird es morgen nicht.
Kann man nichts dran ändern, tut mir leid.
Mehr zu sagen bleibt jetzt keine Zeit.

Drinnen. Draußen

Drinnen knarzt der Zugbegleiter
krachend Englisch durch den Draht;
wiehernd schnaubt ein Herrenreiter.
Draußen schweigt ein Apparat.

Drinnen dröhnt ein Anzugträger,
schlingend schmatzt ein Mann für zwei;
schnarchend sägt ein junger Säger.
Draußen fliegt still Welt vorbei.

Drinnen schenkelklopft ein Lachen,
lauthals zischt ein Pensionär;
lässt mit Knirsch die Zähne krachen.
Draußen schweigt’s, als wenn nichts wär.

Drinnen keift Investmentbanker
sich die Aktien dick und rund;
brüllend junger Weltenlenker.
Draußen leckt sich stumm ein Hund.

Drinnen grölt die Sportskanone,
lüstern pfeift der Lebemann;
quiekend gluckst die Amazone.
Draußen mäuschenstillt ein Tann.

Drinnen zanken Graf und Gräfin,
voll verkracht sich Rentnerpaar;
schrill verstrickt ein Schaf die Schäfin.
Draußen liegt tot Landschaft da.

Drinnen lärmt das halbe Leben,
Vorgeschmack des Weltgerichts;
dezibeles Erdenbeben.
Draußen hinterm Fenster: nichts.

Drinnen Kakophongewölle.
Draußen still und starr der See.
Drinnen Ausgeburt der Hölle:
Ruhezone, ICE.

gibt’s auch hier

Hotelfrühstück

Hölle ist, was hier der Fall.
Ort des Schlingens, Ort des Würgens.
Kein Inferno schlimmer. Nirgends.
Frühstücksraum mit Menschbefall.

Tiefer nie schläft die Vernunft.
Krachmann-Radio zerdröhnt
alles. Welt bleibt unversöhnt.
Grauens frühe Niederkunft.

Schöpfungsrest, wohin ich seh.
Tellertassenglasgeklapper,
Fußballwetterkindgeplapper:
kleine Bürger am Buffet.

Keinem hier ist etwas fremd.
Des Schlaraffen Paradies.
Niemand ist hier vor was fies.
Haargel, Axe und Kurzarm-Hemd.

Unheil nimmt so seinen Lauf.
Nachbarin hält nicht die Klappe.
Wurst aus Brot und Brot aus Pappe.
Kaffee hat den Kaffee auf.

O-Saft: stöhnt, Salami: kraus.
Yoghurt: klebt, die Mangos: alt.
Eier: weich, die Bohnen: kalt.
Niemand kommt hier lebend raus.

Dann ein Glück! Wie stummer Fisch
schielt ein Kind mich seitlich an,
rümpft das Näschen, lacht, und dann
beugt es sich auf meinen Tisch,

schließt die Augen. Kurzes Prusten.
Allen Schönheiten zum Trotz
fliegt ein Tropfen, fliegt ein Rotz.
Zweites Frühstück: Kinderhusten.

 

gibt’s mit schönem Bild auch bei der Tante taz