Archiv der Kategorie: Allgemein

Genesis (reloaded)

Liegt ein Staub auf allen Dingen,
grünt ein Schmier allüberall.
Hör nur: Silberfischchen singen
schöner als die Nachtigall.

Altpapier wächst allerorten,
auf dem Spül liegt Ewger Schnee,
Krümel, Haare aller Sorten,
Spinneweb im Separée.

Wäscheberge stellen Fragen,
Scheiben starren matt und grau.
Zum Putzen, Wienern, Wohlbehagen
fehlt mir jeder Überbau.

Geb viel lieber mich den Lastern
hin, naiv und unverstellt.
Phlegma und auch Sehnsucht pflastern
meine Wege in die Welt.

Und so bleibt mir meine Erdung
auch in Chaos und Verfall:
Weiß doch, vor der Menschenwerdung
kommt der Haushalt-Sündenfall.

(aus gegebenem Anlass auch hier bei der taz)

KAWUMM (reloaded)

Ludwig ist ein lauter Mann,
der lauteste von allen.
Worüber er nicht reden kann,
darüber muss er knallen.

Schon früh hat er die Welt traktiert
und Feuerwerk sich selbst gemacht,
hat jeden Hamster explodiert
und Nachbars Katzen weggekracht.

Jetzt reicht ihm nicht mehr Chinaböller,
es lockt nicht mehr Kanonenschlag.
Er braucht es lauter jetzt und döller:
ein Donner wie zum Jüngsten Tag.

So türmte er im Jahreslauf
im Keller heimlich voller Glück
Knallfrösche, Zünder, Pulver auf
und baute sich sein Meisterstück.

Heut zu Silvester soll das bunte
und laute Oeuvre aus der Flasche.
Er schwört beim Anzünden der Lunte
sich selbst: „Lux fiat – oder Asche!“

Gesagt, getan. Ein Knall, ein Schrei.
Schon fehlt ihm seine linke Hand.
Dann fliegt sein Ohr an ihm vorbei.
Das Haupthaar – zosch! – ist weggebrannt.

Auch steht die Hose hell in Flammen,
jäh platzt sein rechtes Trommelfell.
Gesicht und Haupt voll Blut und Schrammen.
Rabatz wird laut. Das Licht wird hell.

Dann schießt er neben Leuchtraketen
hoch in den Himmel und vollstreckt
inmitten aller acht Planeten
sich selbst als Glitzerknalleffekt.

Die Arme fehlen seit dem Rumms,
die Beine auch – doch ohne Fehl
illuminiert er voll Kawumms
die Nacht mit tausend Dezibel.

Dann ist es still. Ein neues Jahr.
Als Rumpf saust er zur Erde nieder
und denkt beseelt: Wie wunderbar,
gleich seh ich die Familie wieder!

Er weiß sich, als der Kracher Zierde,
noch während er im freien Fall ist,
endlich am Ziel seiner Begierde:
Die Welt ist alles, was der Knall ist.

Für ein hier nicht anwesendes Bild

Steile These

Stets macht Onkel Onkelsachen!
Nie macht er was stinknormales
oder etwas „nur banales“ –
ständig gibt es Wehs und Achen!

Beispiel: Statt still zu verplüschen,
stapft der Onkel in den Garten.
Will den Winter nicht erwarten,
rupft im voraus schon an Büschen.

Alles muss man dreimal sagen:
Nein! Nein! Nein! Weg von den Blüten!
Doch es lässt sich nicht verhüten,
Onkel lässt mich stark verzagen.

Wieviel schöner, eleganter,
wären da doch, denk ich, Tanten:
würdevolle Glücksgaranten,
gartenstiller, blümeranter.

(das zugehörige Bild gibt’s hier)

Für ein hier nicht anwesendes Bild

Die vier Elemente

Der verehrte Mijn­heer Gremmer
ist ein wahrer Bilderschlemmer:
Tut uns hier ein Foto schenken –
Schön’res wag ich kaum zu denken.

Hach! Die weiche Schattenschale!
Oh! Das runde rote Kahle!
Huch! Das kleine Grüngekröse!
Ah! Dies feine Glanzgetöse!

Schwer barock und leicht verständlich,
rotisch, prall und somehow ländlich –
ach, das ist so geil, wie eben
sonst nur was im vollen Leben.

Wenn ich auf die Insel käme –
wüßt’ ich, was ich mit mir nähme.
Schwöre: Bis zu meiner Rente
schaut’ ich diese Elemente.

(das zugehörige Bild gibt’s hier)