Klavierkonzert das 1., purer Zufall

»Weißt du, Andrea, als dein Bruder Francesco klein war, hatte er große Angst vor dem Einsatz der Pauken in Brahms’ erstem Klavierkonzert. Eines Tages suchte er eines von seinen Walt-Disney-Videos und schob aus Versehen eine Kassette in der Rekorder, auf der kein Zeichentrickfilm war. Es war eine Aufzeichnung des Brahms-Konzertes. Am Dirigentenpult Leonard Bernstein, am Klavier Krystian Zimerman, ein ausgezeichneter und schon sehr berühmter junger polnischer Pianist. Es spielten die Wiener Philharmoniker.

Ich weiß noch, daß ich im Nebenzimmer war, als im Fernseher plötzlich die Pauken ertönten. Mir war klar, daß dein Bruder die Kassetten verwechselt hatte. Ich stand auf, um nachzusehen, ob er sich erschreckt hatte und ich vielleicht eine andere Kassette für ihn einlegen sollte, zumal der Fernseher sehr laut eingestellt war. Doch als ich zu Francesco kam, wirkte er nicht ängstlich wie sonst, sondern schaute sich fasziniert das Konzert an. Fasziniert von den Bewegungen des Orchesters, besonders der Geiger. Und wenig später auch fasziniert vom Einsatz des Klaviers, der in scharfem Kontrast zum Beginn des Konzerts steht.«

Roberto Cotroneo: Frag mich, wer die Beatles sind,
Insel Verlag 2006

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