Vom Abschied

Burgund trägt den ganzen Tag Trauer.
Die Rinder verfärben sich grau.
Der Wein wird ahoibrausesauer.
Die Herbstsonne scheint nur noch lau.

Den Gastgebern schwimmen die Augen.
Der Weinbauer rauft sich den Schopf.
Der Kir Royal will nicht mehr taugen.
Hotelpagen schütteln den Kopf.

Pinot-Reben werden Rosinen.
Die Berghänge legen sich hin.
Der Chardonnay schmeckt nur noch Bienen.
Der Senf macht jetzt nie wieder Sinn.

Franzosen sehn rauchend zu Boden.
Pastissegläser springen vom Tisch.
Cafés sind nur noch Episoden.
Das Licht ist jetzt unmalerisch.

Denn heute, Burgund, trotz Protesten,
fahrn wie wieder heim. Gleich um zehn.
Dein Osten, Dein Süden, Dein Westen
warn toll. Doch jetzt müssen wir gehn.

Das Auto hat Wind in den Haaren.
Sie links und ich rechts vornedrin.
Burgund, hör! Auch wenn wir jetzt fahren:
Hier kommen wir bald wieder hin.

Da lächeln ganz sanft alle Rinder.
Da richten die Reben sich auf.
Da wischen sich Mütter und Kinder
die Tränen fort und atmen auf.

Sie wissen, wir sind nicht verloren.
Sie wissen, wir kehren zurück.
Sie wissen, dass wir sie erkoren
zum großen Stück vom kleinen Glück.

2 Gedanken zu „Vom Abschied

  1. Und tatsächlich: Ist doch das Burgund das alte Europa oder zumindest das Zentrum oder zumindest das kulturelle oder zumindest früher mal, im Mittelalter.

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