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Aus dem Reise-Abfalleimer

Da ist ein Mann im Bordrestaurant mit gleich zwei Laptops.

Amsterdam ist eine schöne Stadt. Menschen rollen Käse zum Bahnhof, kantapperkantapper. Weiter nach Brüssel? Oder lieber Richtung Rotterdam?

Lille ist eine schöne Stadt. Der Sonnenaufgang wirkt viel sanfter als in Rouen. Monet hatte Unrecht.

Schlafen in Lille ist wie Pommes frites.

Zugluft ist das gefährlichste, was es gibt. Momentan: Toulouse >> Marseille, TGV

Baguettes in der Brasserie verlangen – das kann auch nur mir passieren, o la la!

Ein Mann sieht aus, als trage er eine Staubsaugertüte (wie ist das französische Wort dafür?) auf dem Kopf.

Gaudi hatte Recht: Die Tränen der Spanier sind der Winter Europas.

Hinterm Tejo liegt Afrika. Junge Frauen warten auf Besuch von jungen Männern.

Der Kaptiän auf dem Traumschiff sieht nicht aus wie Heinz Weiss. Der junge Mann auf dem Vorderdeck aber auch nicht wie Leonardo DiCaprio. Im Morgengrauen Richtung Norden.

Salz auf meiner Haut. Hinkelsteine sind kleine Punkte auf einer Wiese am Horizont.

Kennt sich jemand in Südengland aus? Wenn Orangenmarmeladetoast runterfällt, kann er auf die Orangenmarmeladenseite fallen – muss aber nicht.

Das Monster ist nur eines aus der Ferne. Wenn man es von nahem betrachtet, wirkt es eher wie eines der Corgi-Hündchen von QE2.

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Alle Menschen wollen immer noch einmal das Meer sehen und wenn sie dann am Meer ankommen, gucken sie doch nur traurig. Das Meer ist da, wo die Krabben wohnen und wo die bei der Suche nach dem letzten besten Satz verstummten Menschen sitzen.

Vielleicht fahren Menschen an das Meer in Filmen, Träumen und der Wirklichkeit, weil dort der Horizont weiter ist als sonst irgendwo, weil man nichts absehen kann und also hoffen, ob nicht vielleicht doch noch etwas Gutes vor einem liegt. Weil man am Meer sitzen und sehen kann und nichts tun als warten und sich dennoch etwas bewegt. Wenn Wellen wüßten, dass sie Tränen machen können, dass sie auf Abschiedsbildern sind, mit Musik unterlegt werden, dass sie dabei sind, wenn etwas unumstößlich zuende geht, wenn Wellen das wüßten und sich entscheiden könnten, vielleicht wäre alltäglich mit Stürmen zu rechnen.

Annika Scheffel, Ben, kookbooks 2010

Da, das Meer!

Da, das Meer! Hiphiphurra!
Lange Fahrt. Jetzt sind wir da.
Bunte Fahnen. Menschen. Glück.
Nur gradaus. Kein Blick zurück.

Weiße Möwen. Kühler Sand.
Warme Steine. Langer Strand.
Buntes Handtuch. Tasche schwer.
Wind in Haaren. Kopf wird leer.

Wasser trinken. Sonnencrem.
Warmer Rücken. Schön bequem.
Leichte Küsse. Zungenschlag.
Sonnenbrille. Was ein Tag!

Strahleaugen. Himmel leer.
Blaue Tiefe. Wellen quer.
Meine Füsse! Deine auch:
Rote Flecken! Sand am Bauch.

Sand in Zähnen. Ach herrjeh!
Brand auf Füßen. Auaweh!
Kalte Cola. Fritten. Ja!
Weiche Birne. Wumbaba!

Quallenleiche. Jahre alt.
Fuß im Wasser. Brrr, wie kalt!
Muscheln sammeln. Buntes Glück.
Seetang glitzert. Jetzt zurück.

Tschüßchen, Wasser. Good bye, Meer.
Ciao, bleib sauber! Abschied schwer.
Ab zum Auto. Cheerio!
Neben Dir: Ich bin so froh.